Grete Budde, geb. Goldschmidt

Ein Erinnerungsort für die Bildhauerin

Die Bildhauerin Grete Budde (1883-1967) wirkte über 50 Jahre in Halle (Saale). Hier entstanden die meisten ihrer Werke. Sie schuf vor allem Portraitplastiken. Mit ihren individuellen Büsten verewigte sie Familienmitglieder, Freunde und zahlreiche bedeutsame Gelehrte. Ihre Arbeiten zeugen von genauer Beobachtungsgabe und handwerklichem Können. Die Zentrale Kustodie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat der bemerkenswerten Künstlerin 2021/2022 eine Einzelausstellung gewidmet - die erste überhaupt. Als Jüdin war Grete Budde gezwungen, sich während der NS-Zeit aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Heute ist die Künstlerin im Gedächtnis der Stadt kaum noch präsent und in der Kunstwelt weitgehend unbekannt.

 

Im brandenburgischen Luckenwalde am 4. Februar 1883 geboren, war Margarete, genannt Grete, die einzige Tochter des Stadtrates und jüdischen Hutfabrikanten Carl Goldschmidt und seiner Ehefrau Marie, geborene Heymann. Ihre Eltern stammen aus angesehenen Berliner Familien. Gemeinsam mit ihren drei Brüdern Hans Joachim Paul (1881 - 1912), Heinrich Paul (1885 - 1887) und Heinrich (1890 - 1950) wächst sie in einer liberalen jüdischen kunstliebenden Unternehmerfamilie auf.


Anders als allgemein üblich, unterstützten und förderten ihre Eltern ihre künstlerische Ausbildung. Mit ihrer Entscheidung für die Bildhauerei betrat die junge Frau Neuland. Da bis 1919 Frauen der Zugang zu staatlichen Akademien in Preußen verwehrt war, nahm Grete Budde Privatunterricht bei den Meistern ihrer Zeit. Sie nahm Unterricht bei Fritz Klimsch und Max Kruse in Berlin sowie dem Bildhauer Ulfert Jannssen in München. Ein Studienaufenthalt führte die achtundzwanzigjährige Grete 1911/12 nach Paris zu Aristide Maillol und Auguste Rodin, dessen „Handschrift" die junge Künstlerin stark beeinflusst hat.


Im Frühjahr 1913 heiratete die Bildhauerin den Mediziner Werner Budde und zog mit ihm nach Halle (Saale). Hier kamen bis 1918 ihre drei Kinder Johanna, Hans-Joachim und Marie-Sibylle zur Welt. Die Saalestadt bildete über fünf Jahrzehnte das Zentrum ihres Schaffens. Zeitlebens als freiberufliche Künstlerin tätig, machte sich Grete Budde als Bildhauerin einen Namen. Mit dem Umzug nach Halle begannen für Grete Budde zwei überaus produktive Jahrzehnte. Mehr als 45 der heute bekannten Werke sind in dieser Zeit entstanden.


Ihre Kunstwerke strahlen eine besondere Lebendigkeit aus. Nicht selten fand sie ihre Modelle in dem großen Bekannten- und Freundeskreis, zu dem zahlreiche Gelehrte, deren Frauen und Kinder gehörten, aber auch in der eigenen Familie. Es ist das besondere Verdienst von Grete Budde, eines der seltenen bildhaften Zeugnisse nicht nur der ersten Dozentin der Universität Halle, sondern zugleich deren erster außerordentlicher Professorin, Betty Heimann, geschaffen zu haben. Als Jüdin war Grete Budde gezwungen, sich während der NS-Zeit aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Ihrem Mann Werner Budde wurden im Juli 1937 wegen seiner Ehe mit einer „nichtarischen Frau" Professorentitel und Lehrbefugnis an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg entzogen.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Werner Budde wieder zum ordentlichen Professor der Medizinischen Fakultät berufen und als Direktor der Chirurgischen Klinik eingesetzt. Die Bildhauerin Grete Budde setzte ihre produktive kreative Arbeit fort und beteiligte sich in den Folgejahren an zahlreichen Ausstellungen.


Mit 84 Jahren stirbt die Bildhauerin Grete Budde am 22. Juni 1967 in Halle. Das gemeinsame Grab der Eheleute befindet sich auf dem Laurentiusfriedhof.


Obwohl Grete Budde zu Lebzeiten eine bekannte Persönlichkeit der Stadt Halle war, sind ihre Spuren inzwischen verblasst, ihr Werk in Vergessenheit geraten.


Die Erinnerung wach zu halten, nahmen Jane Unger/ Cornelia Zimmermann (Stadtmuseum Halle), Dr. Elke Stolze (Courage e.V. Halle) und Prof. Dr. Dirk Schaal (Zentrale Kustodie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) den 55. Todestag der Künstlerin zum Anlass für einen Spendenaufruf.


Die Eheleute Werner und Grete Budde fanden auf dem Laurentiusfriedhof in einem gemeinsamen Grab ihre letzte Ruhestätte. Hier wurde bereits als Ehrengrab dem bedeutenden Chirurgen Prof. Werner Budde gedacht. Inzwischen weist die Grabplatte auch auf die Bildhauerin Grete Budde hin, macht so eine herausragende Künstlerin der Saalestadt sichtbar und würdigt ihr Andenken. Die Grabstelle der Eheleute wird seit 2023 durch die Stadt Halle als Ehrengrab gewürdigt.


Die Initiatoren des Spendenaufrufs bedanken sich für die erhaltenen Spenden in Höhe von 1.860,00 Euro, die für die Erhaltung der Grabstelle und die Anbringung des Schriftzugs „Grete Budde, geb. Goldschmidt (04.02.1883 - 22.06.1967) Bildhauerin" auf der Grabplatte verwendet wurden.

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Katalog zur Ausstellung: Grete Budde. Werke für die Universität. Herausgegeben von Dirk Schaal mit Texten von Lisa Pribik und Doreen Pöschl. Mitteldeutscher Verlag Halle 2022; Doreen Pöschl, Grete Budde - Eine (nahezu) vergessene Bildhauerin in Halle, in: Jahrbuch für hallische Stadtgeschichte 2023, Verlag Janos Stekovics, Halle 2023,S. 11-33.